Stop trying to make Datenschutz als USP happen

In einem Paralleluniversum nutzen wir StudiVZ statt Facebook, weil Holtzbrinck nicht mit der NSA zusammenarbeitet. Dort verschlüsseln wir unsere Mails mit PGP. Die Werbekampagne „die Gedanken sind frei“ für GMX war ein voller Erfolg. Wir twittern mit App.net und Protonet ist nicht pleite gegangen.

In diesem Universum hingegen sollten wir uns von dem Gedanken verabschieden, dass Datenschutz das wichtigste Verkaufsargument für ein Produkt (USP) sein kann.

Stop trying to make it happen.

Ja, eine große deutsche Rüstungsfirma wird auch in hundert Jahren kein Google Drive verwenden. Doch der B2C-Markt funktioniert anders. Ein Umdenken nach Snowden findet dort höchstens im Feuilleton statt.

Glaubt ihr mir nicht? Okay, nennt mir einen digitalen B2C-Dienst, der den Marktführer durch besseren Datenschutz abgelöst hat, obwohl er eine schlechtere Usability vorzuweisen hat.

Einen.

Kurze Atempause

Der Gefahrgutblog macht eine kleine Pause, um euch dann 2014 den gewohnt-genialen Content bieten zu können. Es werden sich vielleicht ein paar Dinge ändern, vielleicht aber auch nicht so viele.

Vielen Dank für eure Geduld!

Chris und Falk

Ich habe das Gefühl, Android hat iOS abgehängt.

Warum?

1. Widgets

Wenn ich mir EINE Sache von iOS 7 erhofft hätte, dann wären es Widgets für den Homescreen gewesen.

Widgets

Und die Widgets können sogar richtig gut aussehen:

Authentic Weather App

2. Klügere Push-Nachrichten

Kontakte annehmen, E-Mails-Löschen, Blog-Kommentare moderieren – und das alles, ohne die App zu öffnen.

Pushnachricht Android

3. Google Now

Es ist teilweise schon beängstigend, wie gut meine Sekretärin für mich mitdenkt.

Google Now in Aktion

Und die Verbindung mit anderen Apps klappt schon ziemlich gut.

Google Now Karte

Hier die Karten, die Google mir beim Schweden-Urlaub vorgeschlagen hat:

Schweden-Karten von Now

4. Die Google Drive App

Ich habe neulich mit Microsoft-Vertrieblern darüber gesprochen, wann Office 365 endlich Echtzeit-Kollaboration wie Google Docs erlaubt. Sie haben noch nicht mal die Frage verstanden. Mit der nativen Drive-App auf Android klappt das sogar mobil. Ich bin begeistert.

Screenshot Google Docs auf Android

5. Viele kleine Google-Services mit viel Potential

Und Google hat noch so viel in der Schublade, was Mehrwert für Google Now bringen kann. Alleine Google Goggles ist wahnsinn. Ich meine, hat das hier tatsächlich ein Element aus einem Computerspiel anhand einer krakeligen Strichzeichnung erkannt?

Google Goggle

Ich liebe iOS-Geräte. Ich liebe sie für ihre Zuverlässigkeit, das hybride Design und den Minimalismus. Aber der Platz in meiner Hosentasche ist bis auf weiteres für Android reserviert.

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Falk Ebert

Liebe YouTuber

Diese Annotations…

Nervige Annotations YouTube

…sind genauso nervig wie diese Dinger hier…

Popups

…und werden mich auf keinen Fall dazu bringen:

  • euren Kanal zu abonnieren
  • eure Videos zu liken
  • eure Videos zu kommentieren
  • euch bei externen Kanälen zu folgen.

Versucht es doch einfach mal mit gutem Content, dann braucht ihr auch nicht einhundert sinnlose Overlays.

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Falk Ebert

Mit diesen beiden Spielen erkläre ich die „Computerspiele als Kunst“-Debatte für beendet.

Dass Computerspiele die Kunst inspirieren, wissen wir seit Kristoffer Zetterstrand. Dass auch Mainstream-Spiele epochal tiefgängig sein können, seit Shadow of the Colossus.

Was das MoMA schon letztes Jahr festgestellt hat, möchte ich heute auch noch mal manifestieren:

Videospiele sind eine Kunstform!

Pofalla-Style. Keine Diskussion mehr. Anlass und Beweis dieses Artikels sind zwei Spiele, die ich kürzlich gespielt habe.

Es handelt sich dabei um Stanley Parable und Dear Esther. Zwei Spiele, die ein verbindendes Element haben und doch unterschiedlicher nicht sein könnten.

Das verbindende Element ist, dass sie aus der Ego-Perspektive gespielt werden und das Gameplay nur aus Laufen besteht. Keine Waffen, keine Gegner. Dafür ein Erzähler, der dem Spieler kontinuierlich im Ohr liegt.

Dear Esther ist dabei relativ linear. Der Spieler läuft einen vorgegebenen Pfad ab und hört sich dabei Textfragmente an, die mit einem Zufallsmoment versehen sind und so immer wieder eine leicht unterschiedliche Geschichte erzählen.

Bis zum Schluss nimmt die Intensität des Spiels durch den grandiosen Soundtrack, das Leveldesign und die Erzählungen zu und steigert so die Immersion ins Unendliche. Das Grundthema – Einsamkeit – zieht sich konsequent durch das Spiel als Gesamtkunstwerk.

Dear Esther Screenshot

Stanley Parable ist da anders. Das Spiel gibt dir alle zwanzig Sekunden einen Metaebenen-Bitchslap und stellt alles in Frage, was man bis dahin über das Spiel zu wissen meinte. Zwischen verschiedenen Realitäts-Ebenen wandelt der Spieler durch lineare Räume und kann dabei ständig unterschiedliche Abzweige wählen.

Der Spieler wird beim Durchspielen der dadurch entstehenden Routen ständig zum Nachdenken gezwungen. Über Determinismus, freien Willen, das Verhältnis von Künstler zu Rezipienten. Und nicht zuletzt ist das Spiel auch als Kritik an Erzählmustern klassischer Videospiele zu verstehen. Fantastisch!

Stanley Parable Screenshot

Klar: Das sind zwei Beispiele unter tausenden kitschigen, sexistischen und öden Schrott-Produktionen. Aber wir möchten ja auch Angesichts der Flut von Milchkaffee-Fotos bei Instagram der Fotografie das Kunst-Sein nicht absprechen, wie es im 20. Jahrhundert durchaus noch getan wurde.

Sobald ihr mal einen Abend Zeit habt, solltet ihr jetzt folgendes tun:

  • die Spiele kaufen und downloaden
  • das Licht ausschalten
  • den Kopfhörer aufsetzen
  • losspielen

Danach kann es keine Diskussion mehr geben.

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Falk Ebert

Seriously, Android?

Vor einigen Tagen wurden alle kompatiblen Android Geräte nun vollends auf die Version 4.4 KitKat umgestellt.

Neben einigen Tweaks, die im Hintergrund zur Stabilität beitragen, merkt der User im Frontend designtechnisch nicht besonders viel. Einige der nativen Apps haben ein leicht anderes Interface. Und das Android Cyan wurde ersetzt durch ein schlichtes Grau – z.B. in der Statusbar oben. Rein persönlich finde ich es nicht schöner als in der alten Version, aber das ist wohl Geschmackssache.

Was mir aber massiv auf den Wecker geht, ist die unnötige Umstellung der Zeichenbelegung der Tastatur. Ich bin sicher jeder hat es gemerkt: Dort wo früher das Komma war, ist jetzt der Unterstrich. Seriously, der Unterstrich? Warum der Unterstrich?

Android 4.4 Tastatur

In gefühlt jedem zweiten Satz mache ich jetzt einen Unterstrich statt dem Komma. Ja, man kann ein Komma auch machen, indem man lange auf dem Punkt bleibt, aber das dauert mir zu lange.

Dieses Update halte ich für komplett sinnlos und frustrierend. Manchmal frage ich mich da, ob das keinem Beta-Tester aufgefallen ist…

Christian Faller

Der Unterschied zwischen Gamification und auf die Nerven gehen

Push-Nachrichten sind toll. Zumindest in der Theorie. In der Praxis sind sie leider oft nicht mehr, als verzweifelte Versuche von Apps, den Nutzer noch mal ein paar Sekunden zu fesseln. Bevor die App wieder in der Bedeutungslosigkeit versinkt…
Ein Beispiel:

Nervige Push Nachricht Duolingo

Thank you, captain obvious!

Glücklicherweise kommt das positive Gegenbeispiel von der selben App. Na, merkt ihr den Unterschied?

Push Nachricht Duolingo

Das ist Gamifiction mit einem „social layer“, wie sie im Buche steht. Und das ist der Unterschied zwischen psychologisch wirksamer Motivation und dem Missbrauch von Push-Nachrichten.

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Falk Ebert

Follow Friday

Alternativlos (Podcast)
Wer den Podcast von Frank Rieger (Sprecher des CCC) und Felix von Leitner (auch bekannt als Fefe) nicht kennt, hat einige gute Folgen nachzuholen! Unter anderem mit Frank Schirrmacher über Weltbildmanipulation, mit Mathias Döpfner über Verlage und mit Constanze Kurz über den Staatstrojaner.

[Falk Ebert]

minutephysics (YouTube Channel)
Ein genialer YouTube Channel, auf dem regelmäßig in neuen 10 Sekunden-Videos ein komplexes Thema erklärt wird. So zum Beispiel Mikrowellen, warum der Himmel blau ist oder was Schwerkraft eigentlich ist. Bildung kann so kurzweilig sein.

[Christian Faller]

Warum der neue Volvo Werbespot funktioniert

Den neuen „Spot“ – falls man ihn überhaupt so nennen kann – von Volvo hat inzwischen so gut wie jeder gesehen. Auf YouTube steuert der 1:17 Minuten lange Film auf die 40 Millionen Views zu, und das nach nur fünf Tagen. Und selbst die Making-Offs und Ableger haben allesamt Aufrufe im hohen sechsstelligen Bereich.

Warum aber funktioniert der Spot so gut?

1. Er ist kurz

2. Er ist emotional

3. Er hat ein Wow-Moment

4. Er passt zur Marke

5. Er wurde grandios geseedet

Aber lasst mich erklären was ich meine. Es gab schon viele gute Spots zuvor, die nicht ein solches Publikum erreichen konnten, aber trotzdem super waren. Die meisten davon erfüllen die oberen Kriterien auch. Zum Beispiel diese Werbung für Carlton Draught:

Hier passt für mich auch alles. Aber das gewisse Etwas fehlt. Diese Schroffheit, die ein Antiheld wie Van Damme erzeugen kann. Ein humorvoller Spot tut sich oftmals schwerer hier zu punkten, da ein kurzer Lacher zwar nett ist, aber nicht tiefer geht. Für Carlton ist die Wahl des Humors aber wesentlich geeigneter als Seriösität, schon allein deswegen, weil man da bei Alkoholwerbung ohnehin vorsichtig sein muss. Daher hat das Unternehmen hier eigentlich das Potenzial voll ausgereizt.

Volvo hat den Nachteil, nicht einfach zum Humor greifen zu können. Das würde zur Marke einfach nicht passen. Allerdings macht diese Einschränkung eine knackige Idee natürlich etwas schwerer. Es birgt jedoch auch die Chance, wie oben erwähnt, einen Volltreffer zu landen. Den wahren Unterschied macht bei Volvo in meinen Augen aber nicht nur der perfekte Fit zu Marke, sondern auch das Seeding. Statt auf der jährlichen Superbowl Welle mitzureiten, packte man die Sache selber an.

Mit Spots wie diesem, die den Hauptspot zum 14. November hin angeteasert haben, wurde Spannung erzeugt:

Dies gibt Bloggern und anderen Interessierten auch die Möglichkeit, das finale Video in ihren Contentplan einzutakten und zu verarbeiten, bevor es schon wieder outdated ist. Gutes Storytelling lebt leider nicht von der Story allein, sondern davon, dass sie auch erzählt wird. Das vergisst man leicht, aber klassische PR hat nach wie vor seine Daseinsberechtigung, auch wenn sie heute etwas anders aussieht als zuvor und mehr über Plattformen als über Individuen abläuft.

Schön finde ich, dass Volvo für den konsequenten Spot belohnt wird, in welchem nun die Linie von 2012 weiterverfolgt wird.

So sieht gutes Storytelling für mich aus.


Christian Faller

Reddit für Anfänger – Teil 3 unserer Serie über den vielleicht interessantesten Ort des Internets

Reddit Teil 3 über Marketing

Wer Reddit als Marketing-Tool einsetzt, betritt zwangsläufig Neuland. (Höhö, Neuland.) Es gibt Cases, es gibt erste Erfahrungswerte, aber das war es dann.
Von einer Professionalisierung, wie bei Twitter oder Facebook, ist die Branche noch Lichtjahre entfernt.

Wie kann man Reddit einsetzen?

Auf zwei Arten. Zum einen, wie ein ganz normaler User. Im Dialog, mit einem normalen Profil. Es gibt keine Unternehmens-Profile, keine Möglichkeiten Nutzerbilder und überdimensionierte Profilbanner von Agenturen gestalten zu lassen. Es gibt nur Accounts, die Content posten und sich dann dem gnadenlosen Urteil der Up- und Downvotes stellen müssen.

Davon abgesehen gibt es aber auch noch eine Paid-Media-Lösung zum selbst einbuchen. Ähnlich wie die Sponsored Posts bei Facebook: Einfach den Beitrag auswählen, ein Laufzeitbudget aussuchen, optionales Targeting auf Subreddits und fertig.

Reddit Werbung einbuchen

Ein paar Zahlen und Case Studies findet ihr z.B. hier, hier, hier.

Wann sollte man Reddit einsetzen?

Zum einen: Wenn die Zielgruppe stimmt. Die Mehrheit der Reddit-User ist männlich, jung, englischsprachig, liberal und naturwissenschaftlich begabt. Wer französischen Omas homöopathische Heilmittel verkaufen möchte, wählt einen anderen Kanal. Außer man findet ein wirklich gut passendes Subreddit mit nicht zu wenigen Abonnenten.

Zum anderen: Wenn man guten passenden Content hat und sich auf den Kanal einstellen kann. Das setzt voraus, dass man das Medium (und das Subreddit) verstanden hat. Außerdem, dass der gelieferte Content und die Prozesse der Betreuung nicht von der üblichen Marketing-Bürokratie zerfressen sind.

Und last, but not least: Wenn man als Marke keine Image-Leichen im Keller hat, die nur darauf warten, von der findigen Community ans Tageslicht gepostet zu werden. Kommentare kann man abschalten. Aber wozu überhaupt auf Reddit werben, wenn man die Community ausschließen möchte?

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Falk Ebert


Die Autoren

Christian Faller Falk Ebert

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