Ich bin sauer!

Die ZDF Mediathek

Stell dir vor, du bezahlst für etwas. Nicht, weil du willst, sondern weil du musst. Unabhängig davon, ob du es nutzt oder wieviel davon du nutzt. Und stell dir dann noch vor, das Ding, für das du bezahlt hast, wird dir dann auch noch nach kurzer Zeit wieder weggenommen. Klingt nicht so fair? Ist aber im Moment der Stand der Dinge, wenn es um die Online-Angebote der öffentlich-rechtlichen Anbieter geht.

Zum einlesen

Ich möchte das Ganze jetzt auch nicht nochmal bis in’s Detail schreiben. Deshalb hier ein paar Links mit Zitaten:

Netzpolitik bringt es auf den Punkt:

Hier wird die absurde Regelung des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrags sichtbar. Statt einer Löschaktion sollte es anders herum sein: Die von uns finanzierten Beiträge sollten so lange wie möglich in einem offenen Format bereit gestellt werden. Wir haben schließlich dafür bezahlt!

Die Tagesschau, selbst betroffen schreibt:

Während viele Verlage damit beginnen, ihre Archive für die Allgemeinheit zu öffnen, muss tagesschau.de den größten Teil seines mit Gebührenmitteln erstellten Online-Archivs löschen. Betroffen sind ca. 80 Prozent der Inhalte. Zusätzlich problematisch: Auch das Löschen kostet Geld, denn es muss eigens organisiert und programmiert werden. Da die Budgets in den Telemedienkonzepten gedeckelt sind, gehen die Lösch-Kosten zu Lasten neuer Inhalte.

Ähnlich klagt der WDR:

Dabei hat sich das Mediennutzungsverhalten der Gesellschaft gerade in diesem Punkt in den vergangenen Jahren wesentlich verändert“, erklärt Stefan Moll, Leiter des Programmbereichs Internet. „Viele Nutzer, insbesondere die jüngere Zielgruppe, erwarten, Videos, Audios und Online-Beiträge abrufen zu können, wann immer sie möchten. Viele Inhalte finden erst über einen längeren Zeitraum ihr Publikum, darunter gerade besonders viele anspruchsvolle Beiträge. „

Und hier noch ein paar Gründe, warum ich wirklich sauer bin:

  • Für die Entwicklung einer modernen Demokratie ist kaum etwas so wichtig, wie der freie Zugang zu Informationen.
  • Hier wird nicht nur ein von mir bezahltes Gut, nämlich der Content vernichtet, sondern auch noch etwas viel wichtigeres: Bildung.
  • Die privaten Anbeiter, die wirtschaftlich durch die Aktion geschützt werden sollen, denken nicht im Traum daran, halbwegs brauchbare Substitute zum öffentlich-rechtlichen Content zu liefern.
  • Es wird schwerer auf altes Nachrichtenmaterial, beispielsweise zur Recherche, zuzugreifen.
  • Stundenlanges Schauen von uralten Wissens- oder Geschichtssendungen am Wochenende fällt damit flach.

Kurz gesagt

Die gute Nachricht ist: RTL wird sein wunderbares Format „Verdachtsfälle“ weiterhin für uns alle im Internet anbieten. Die schlechte Nachricht: Tracks, Leschs Kosmos, ZAPP, Abenteuer Wissen und selbst Inhalte der Tagesschau oder von dradio werden wohl nur noch eingeschränkt zeitlich verfügbar sein.

Argh.

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Falk Ebert

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7 Responses to “Ich bin sauer!”


  1. 1 Moe Juli 14, 2010 um 11:14 am

    und warum machen die das? versteh ich net so ganz… 😀 was hab ich da verpasst? schreibt mal den hintergrund dazu, nicht nur warum scheiße ist ^^

  2. 4 Johannes Korn Juli 14, 2010 um 12:23 pm

    Hintergrund, so weit ich mich korrekt erinnere und wie da auch steht:
    „Die privaten Anbeiter, die wirtschaftlich durch die Aktion geschützt werden sollen, denken nicht im Traum daran, halbwegs brauchbare Substitute zum öffentlich-rechtlichen Content zu liefern.“

    Darauf möchte ich aber nochmal eingehen. Denn dieser Vorwurf ist ein bisschen ein Henne-Ei-Problem. Hier ist ja eines der Hauptargumente für die Fortexistenz eines öffentlich-rechtlichen und auch öffentlich finanzierten Rundfunksystems genannt. Die privaten bringen nicht die selben Informationsleistungen. Nun ist es aber eben so, dass die ersten Privatsender erst im Laufe der 80er Jahre auf den bundesweiten deutschen TV-Markt drängten. Da war das „Informationsmonopol“ (hiermit ist keinerlei Meinungs- oder Informationsdiktatur gemeint) der ÖR lange etabliert. Die Korrespondenten-Netzwerke standen, die TV-Studios waren da, unglaubliche Mengen an Mitarbeitern standen zur Verfügung und niemand musste von Werbung oder anderem abhängig operativ profitabel arbeiten. So, wie man sich das eben auch im Bereich Nachrichten und Information nur wünschen kann.
    Jetzt aber den privaten vorzuwerfen diesen Kernbereich der ÖR nicht genügend mit eigenen Angeboten anzugreifen ist tendenziell wirr. Denn wie sollen sie dort überhaupt konkurrieren können? Das rechnet sich einfach unter keinen Umständen. Das ist unter frei-wirtschaftlichen Bedingungen unfinanzierbar. Nicht ohne Grund ist sowas wie N24 brutal defizitär und am bekanntesten für den Spruch „N24 – Ich weiß alles über Panzer“. Also produzieren sie billige aber Zuschauer anlockende Sendungen wie „Verdachtsfälle“. Das ist ganz einfache Wirtschaftslogik. Etwas entgegen steht da wohl die Entwicklung von n-tv der RTL-Gruppe. Ich glaube mich zu erinnern, dass die profitabel sind, allerdings ist der Deckungsbeitrag wahrscheinlich ein Lacher. Das Geld wird mit Unterhaltungssendungen gemacht, denn nur dort lässt sich richtig gut Reichweite vermarkten. Dass das nicht einzig an der Qualität des Angebots liegt kann man einfach nachvollziehen indem man mal die Quoten der angesprochenen ÖR-Sendungen ansieht. Die sind nicht grottig, zum Teil sogar ganz gut. Aber eben nicht vergleichbar (vor allem von Kostenseite wage ich zu behaupten) mit Sit-Coms, DSDS und schießmichtot.
    Wenden wir den Blick in Länder, die (unglücklicherweise) kein bzw. kaum ÖR haben, so sehen wir ein anderes Bild. In den USA gibt es beispielsweise diverse Nachrichten-Networks. Die Qualität kann man diskutieren, aber sicher nicht vollständig absprechen. Lange nicht alles ist nur Faux-News. Wenn also keine ÖR vorhanden sind etablieren sich durchaus private Alternativen. Siehe zB auch Discovery Channel und ähnliches.

    Nichtsdestotrotz bin ich ein großer Fan des ÖR im deutschen Stil. Ich sehe zwar sehr viel Einsparpotentiale (braucht der Saarländische Rundfunk wirklich 700 festangestellte Mitarbeiter? brauchen wir wirklich mehr als 20 ÖR TV-Sender? etc.), aber ich möchte das System in keinem Fall eintauschen.
    Und das Argument, des wirtschaftlichen Schutzes der Konkurrenz will mir auch nicht aufgehen. Denn – wie du so richtig geschrieben hast – gibt es eben keine Subsitute bei denen. Also auch keine echte Konkurrenz. Oder hat Pro7 Angst, dass der Galileo-Gucker demnächst Lesch-Fan wird? Ich sehe dafür – leider – schwarz.

    Ja, ich mache manchmal Kommentare in Blogeintragslänge. Sorry. 🙂

    • 5 Falk Ebert Juli 14, 2010 um 12:35 pm

      Vielen Dank für den Blogeintrag, ääääh, Kommentar. Freut mich. 🙂

      Ich würde alles, was du gesagt hast, genau so unterschreiben. Dass die privaten in ihrem Gewinnstreben eben nur Käse produzieren war auch nicht unbedingt ein Vorwurf, sondern mehr eine Feststellung.

      Und ja, ich glaube wirklich, dass Galileo Angst hat, dass ihre Zuschauer mal ausversehen einen Lesch aufschnappen. Dann schauen die nämlich nie wieder Galileo. 😉


  1. 1 Lesetipp: „Ich bin sauer“ « ecos blog Trackback zu Juli 14, 2010 um 5:37 pm
  2. 2 Englische Regierung finanziert Apps « Gefahrgut Trackback zu Juli 22, 2010 um 2:10 pm

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